Buchrezension #82 Concentr8 von William Sutcliffe


Rowohlt
erschienen am 21. September 2016
304 Seiten

Preis:

broschiert € 9,99, Ebook € 9,99
 

Klappentext:

Im London einer nahen Zukunft wird das Medikament Concentr8 an auffällige Jugendliche verteilt, um jedes unerwünschte Verhalten einzudämmen. Troy, Femi, Lee, Karen und Blaze nehmen es schon, so lange sie denken können. Sie sind keine richtige Gang, und sie sind auch nicht auf der Suche nach Ärger, aber als die Verteilung von Concentr8 auf einmal versiegt, und als eines heißen Sommertags die Aufstände in der Stadt heftiger ausbrechen als je zuvor, kidnappen sie einen Mann und schleppen ihn in ein Lagerhaus. Im Verlauf der folgenden sechs Tage beginnen sie – beginnen wir – zu verstehen, warum es so kommen musste.


Meine Meinung:

Concentr8 ist der Nachfolger von Ritalin. Es wird an Jugendliche mit ADHS verschrieben. Im zukünftigen London sorgt der Bürgermeister dafür, dass Lehrer und Schulleiter auffälliges Verhalten melden, und die Kinder und Jugendlichen sofort Concentr8 bekommen. Natürlich müssen die Eltern einverstanden sein, aber diese erwartet ja auch eine kleine finanzielle Entschädigung, damit sie ja nicht ablehnen können. Die Verteilung des Medikaments wird jedoch eingestellt und es kommt zu Aufständen.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Es wird aus der Sicht von mehreren Personen in der Ich-Form erzählt. Am Beginn der Kapitel steht immer, wer gerade erzählt.

Troy ist einer der Jugendlichen. Er macht alles, was sein bester Freund Blaze ihm sagt. Blaze ist sein Held. Blaze weiß immer, was zu tun ist. Troy denkt selber nicht so viel nach, obwohl er weiß, dass er nicht das Richtige tut, aber das würde er nie zugeben. Er steht voll und ganz hinter Blaze' Entscheidungen.
Wir haben schon immer in der Falle gesessen, und jetzt haben wir uns selbst eine Falle gestellt, schlimmer als alle davor, und es ist wie Wasser, das im Becken seine Runden dreht und dem Abfluss immer näher kommt, schneller und schneller, und das war's dann.
Troy Tag 3

Blaze ist ein Anführertyp. Er hat kein Gewissen und er hat vor nichts Respekt. Er schreckt vor nichts zurück.
Wenn ich voll durchstarte, wenn alles läuft, kann niemand widerstehen, dann bin ich der King.
Blaze Tag 4

Karen ist die Freundin von Blaze. Sie glaubt, dass sie eine Zukunft hat und dass aus ihr etwas werden kann. Sie ist nicht dumm, aber dennoch folgt sie Blaze überall hin und tut, was er sagt. Sie lässt sich mitreißen.

Femi läuft Blaze auch blind hinterher, aber bei ihm regt sich doch sein Gewissen, mehr als bei den anderen. Er weiß, dass Blaze einen Fehler macht. Er ist ängstlich.
Wir waren eine Einheit, ich hatte keine Kontrolle, war nur ein Passagier.
Femi Tag 1

Lee ist nicht gerade der Schlaueste. Er denkt überhaupt nicht, bevor er spricht oder etwas tut.

Weitere Personen, aus deren Sicht das Buch geschildert wird, sind der machtgierige, sexistische und eingebildete Bürgermeister, die schlaue Journalistin, die Geisel und der erfahrene Verhandlungsführer der Polizei.

Der Schreibstil ist sehr jugendlich, teilweise derb. Das Buch ist flüssig zu lesen. Man erkennt die unterschiedlichen Personen auch an der Sprache und den teilweise fehlenden Satzzeichen. Diese Unterscheidung finde ich sehr gut gelungen.

Durch die unterschiedlichen Sichtweisen kann man sich gut in (fast) alle Personen hineinfühlen und ihre Handlungen (mehr oder weniger) nachvollziehen. Der Leser hat Mitleid mit der Geisel, die vollkommen unschuldig in diese Situation gekommen ist und nur das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Man hat aber auch Mitgefühl mit den Jugendlichen, die aufgrund der sozialen Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, gar keine Chance bekommen. Sie sehen keinen Ausweg aus ihrer Situation. Man weiß nicht, was ohne Concentr8 aus ihnen geworden wäre. Die Jugendlichen wissen selber nicht genau, wer sie sind. Sie sehen für sich keine Möglichkeiten.
Es ist schon komisch, dass man sich nicht aussuchen kann, wer man wird.
Femi Tag 5

Ich wurde in ein Leben geboren, in dem nichts, was ich tun konnte, einen Unterschied gemacht hat - es war immer klar, dass ich so enden würde.
Troy Tag 6

Am Anfang jedes Kapitels sind Zitate aus wissenschaftlichen Abhandlungen oder Zeitungsartikeln, in denen es über Ritalin und dessen Auswirkungen geht. Ich habe mich noch nie wirklich mit dem Thema beschäftigt, aber ich fand das sehr interessant. Es geht unter anderem um die Senkung der Kriminalität bei Betroffenen durch die Einnahme von Ritalin bis zu dessen Nebenwirkungen. Dem Leser werden Vor- und Nachteile vor Augen geführt und es zieht einem mal auf die Seite der Befürworter und dann wieder auf die Seite der Gegner. Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Das Buch ist als Jugendbuch ab 13 Jahren deklariert. Aber ich glaube nicht, dass Jugendliche in dem Alter mit der Geschichte so viel anfangen können. Ich würde es eher als Young Adult oder sogar für Erwachsene einstufen.


Fazit:

Ein Buch, das den Leser fordert und zum Nachdenken anregt!


Ich gebe 4 von 5 Sternen.


Herzlichen Dank an Rowohlt für das Rezensionsexemplar!
Seite des Verlages 


Kommentare

  1. Hast du schon mal Unwind gelesen? Ein bisschen erinnert es mich daran, weil es auch um Jugendliche geht, die als "unnötig" von der Gesellschaft eingestuft werden. Ich mochte diese Sichtweise total. Außerdem gibt es ja seeeehr unterschiedliche Meinungen zu ADHS und deswegen ist das schon eine spannende Idee. :)

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    1. Hallo!

      Nein, Unwind kenne ich nicht.

      Danke für deinen Besuch!

      Alles Liebe
      Barbara

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