Buchrezension #124 Wild von Lena Klassen

Buchrezension #124 Wild von Lena Klassen

Drachenmond Verlag
erschienen am 11. März 2013
384 Seiten



Preis:

Taschenbuch € 14,90, Ebook € 4,99


Klappentext:

Gezähmte Gefühle. Eine Welt ohne Krankheit und Kummer. Kein Leid und keine Leidenschaft. Einmal wöchentlich bekommt jeder in "Neustadt" seine Glücksinjektion. Trotzdem ist die siebzehnjährige Pi nicht so glücklich wie alle anderen. Stimmt etwas nicht mit ihr? Oder warum darf sie nicht mit Lucky zusammen sein, ihrem besten Freund? Anders zu sein ist gefährlich, denn hinter dem Zaun, der "Neustadt" umgibt, liegt die Wildnis. Dort herrschen noch Krankheit und Gewalt - und dorthin werden alle verbannt, die aus der Reihe tanzen. Dann geschieht etwas Unfassbares: Die Glücksdroge versagt. Und plötzlich steht Pi vor der Entscheidung ihres Lebens: Liebe oder Freiheit?


Meine Meinung:

In der von Lena Klassen erschaffenen Welt wird auf den neuen Menschen hingearbeitet. Der neue Mensch soll perfekt sein, deswegen werden die Gene schon vor der Geburt manipuliert und wenn's noch immer nicht so passt, laufen die Menschen sofort zum Schönheitschirurgen. Einmal in der Woche bekommen Kinder und Jugendliche die "Welle", eine Glücksinjektion, damit alle auf demselben Glückslevel bleiben. Traurigkeit, Zorn und andere Gefühle werden unterdrückt. Alle schweben auf ihrer rosaroten Wolke aus Glück.

Gar so glücklich haben die Menschen auf mich aber nicht gewirkt. Sie sind komplett desinteressiert an allem, was sie nicht persönlich betrifft. Sie wirken wie betäubt. Ein Arbeiter stürzt vom Gerüst und bis auf die Leute vom Genesungshaus, die ihm helfen, machen alle weiter wie immer. Keiner wirkt schockiert oder betroffen.

Wilde Gefühle. Leid. Leidenschaft. Aggression. Daraus erwachsen Kriege. Das ist der böse Keim in der Seele eines jeden Menschen. Das sind Altlasten, die wir abwerfen auf dem Weg zum neuen Menschen.
Position 1200
Seinen Lebenspartner darf man nicht selber wählen. Schon in der Jugend bekommen die Menschen, einen Partner zugewiesen. Die Auswahl wird durch die genetische Kompatibilität getroffen. Die Partner sollen heiraten und zwei Kinder bekommen, ein Mädchen und einen Buben. Liebe spielt dabei keine Rolle. Ziel ist es, den neuen Menschen zu erschaffen.

Wer sich nicht an die Regeln hält oder krank ist, wird in die Wildnis verbannt. Aber was dort ist, weiß keiner so genau.

Der neue Mensch begeht keine kriminellen Handlungen, denn Verbrechen beruhen auf Gier und Leidenschaft, auf Aggression und Hass auf die Gesellschaft.
Position 604

Wilde Gefühle haben die Menschheit an den Abgrund geführt, und nur wenn wir es schaffen, uns davon zu befreien, werden wir die nächste Stufe der Evolution erreichen: den Menschen, der keine Aggression gegen seinesgleichen mehr kennt.
Position 201
Peas, genannt Pi, ist eine sehr sympathische Protagonistin. Pi wurde nicht genmanipuliert wie die anderen Kinder und hat auch noch nie die Praxis eines Schönheitschirurgen von innen gesehen. Sie ist klein und nicht so zierlich wie die anderen Mädchen. Die Siebzehnjährige ist sehr tollpatschig und sarkastisch. Pi ist anders als die anderen. Sie fühlt sich nie so glücklich wie ihre Freunde. Sie weiß, dass sie anders ist, sagt aber nichts aus Angst, dass sie in die Wildnis abgeschoben wird. Sie will nicht auffallen und verhält sich wie die anderen, versucht sich anzupassen.
Manchmal lag die Traurigkeit wie eine graue Wolke über mir. Ich wusste, das war nicht normal.
Position 321

Ich wusste nur, dass ich mich danach sehnte, so glücklich zu sein wie die anderen.
Position 771
Lucky ist schon seit dem Kindergarten Pis bester Freund. Genau wie Pi war auch Lucky noch nie bei einem Schönheitschirurgen. Er ist total aufgedreht. Lucky ist hilfsbereit und loyal. Ich habe Lucky sofort ins Herz geschlossen.
Moon ist Pis beste Freundin. Sie ist eine Schönheit. Ihr wurde Lucky als Lebenspartner zugewiesen. Moon ist sehr modefanatisch und liebt Shopping.

Das Buch wird aus der Sicht von Pi in der ersten Person erzählt, wodurch ich mich sehr gut in Pi hineinversetzen konnte.
Die Autorin beschreibt die Charaktere und die Handlungsorte gut, so dass ich mir alles gut vorstellen konnte, aber trotzdem noch ein bisschen Platz für meine Fantasie blieb. Das Buch ist flüssig zu lesen.

Ich war sofort in der Geschichte drinnen. Lena Klassen führt den Leser langsam in ihre Welt ein und der Leser begleitet Pi und ihre Freunde. Dann wird es spannend, als Pi merkt, dass die Welle bei ihr nicht so wirkt wie sonst. Ist Pi sonst schon nicht so glücklich wie alle anderen, brechen plötzlich die Gefühle über sie herein. Alles ist neu für sie. Diese Gefühle kennt sie nicht. Sie fühlt Liebe und Zorn. Es hat mir gut gefallen, mit Pi in ihre neue Gefühlswelt einzutauchen und ihre wilden Gefühle zu genießen. Es war interessant zu lesen, wie sie damit umgeht.
Im Mittelteil flacht die Spannung dann etwas ab. Aber das letzte Viertel hat mich dann wieder gepackt.

Ich war nicht so glücklich gewesen wie die anderen, aber die jetztige Klarheit der Gedanken fühlte sich an wie ein scharfer Stachel in meinem Kopf.
Position 3404
Die Grundidee hat mir gut gefallen. Die Umsetzung ist Lena Klassen sehr gut gelungen. Ihre Dystopie-Welt wirkt gut durchdacht. Es gibt einige überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Happy End gibt es leider keines. Das Buch hat ein offenes Ende und hat mich neugierg auf die Fortsetzung gemacht.
In mir schwelten nicht nur kleine Flämmchen. Da war ein Vulkan in meinem Herzen, der ausbrechen wollte.
Position 2107
Fazit:

Interessante Grundidee, toll umgesetzt! Für Dystopie-Fans empfehlenswert!


Ich gebe 4 von 5 Sternen.


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Buchrezension #124 Wild von Lena Klassen

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Kommentare

  1. Hallo Barbara,

    Das hört sich interessant an. Gut das das Buch schon auf meinem reader wartet :)

    LG Sonja

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  2. Erinnert ziemlich an The Giver. Hast du das Buch gelesen? (Der Film dazu ist ziemlich mies...)

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    1. Daran musste ich auch denken.. Ich hab allerdings nur den miesen Film gesehen :D

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    2. Hallo ihr beiden!

      Ja, das mit den Drogen hat mich auch an The Giver erinnert. Aber das es bei ihr nicht gewirkt hat, erinnert an andere Dystopien. Fand den Film aber auch nicht so schlecht.

      Danke fürs Vorbeischauen!

      Alles Liebe
      Barbara

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