Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

one by Bastei Lübbe
erschienen am 16. März 2017
426 Seiten



Preis: 

gebunden € 16,00, Ebook € 11,99



Klappentext: 

Im Zweifel gegen die Angeklagte.

Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in eine kleinere Zelle verlegt wird. Die siebte und letzte Zelle ist klaustrophobisch klein, und genauso klein sind Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will -

Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert. Um dem Volk zu zeigen, dass es nicht in einer perfekten Demokratie lebt, sondern von den Machthabern perfide manipuliert wird? Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem viel mehr als ein einzelnes Menschenleben auf dem Spiel steht ...

Spannende Mischung aus Thriller und Dystopie rund um ein packendes Gedankenspiel: Was wäre, wenn nur noch über Fernsehvotings Recht gesprochen würde?


Meine Meinung:

Der Klappentext hat mich sofort fasziniert und ich musste dieses Buch unbedingt haben. ;-)

Als Leser möchte man ja, dass einem die Protagonistin sympathisch ist. Aber die 16-jährige Martha war mir das anfangs überhaupt nicht. Sie steht mit der Waffe am Tatort und gesteht sogleich die Tat. Da fällt es einem schwer, Sympathie zu empfinden. Außerdem ist sie ziemlich eigenwillig und stur. Sie hat ihren eigenen Kopf und will sich nichts sagen lassen. Mit der Zeit wird Martha aber sympathischer und für den Leser zugänglicher.

Der Schreibstil ist genauso eigenwillig wie die Protagonistin. Ich war aber trotzdem schnell in der Geschichte drinnen.  Es wird aus Marthas Sicht in der Ich-Form und aus der Sicht ihrer psychologischen Betreuerin Eve in der dritten Person erzählt. Dann gibt es Kapitel, die die Fernseh-Show Death is Justice schildern. Diese Kapitel lesen sich eher wie ein Drehbuch oder ein Theaterstück. Das war anfangs gewöhnungsbedürftig. Es gibt noch ein paar Kapitel aus der Sicht von anderen Personen, aber da will ich nicht zu viel verraten.

Die Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt. Kerry Drewery baut die Spannung langsam auf. Der Leser begibt sich mit Eve, die nicht an Marthas Schuld glaubt, auf die Suche nach der Wahrheit. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wenn Martha wirklich unschuldig ist, wer hat dann den Mord begangen.

In Marthas Kapiteln erfährt der Leser nicht nur ihre Gedanken in der Zelle, sondern sie erzählt auch in Rückblenden von ihrem Leben vor der Verhaftung, wodurch man sie besser kennenlernen und mit ihr mitfühlen kann. Anfangs hatte ich ja noch Schwierigkeiten mit Martha, aber im Laufe der Geschichte konnte ich mich immer besser in sie hineinversetzen und ihre Verzweiflung spüren.

Die Welt besteht aus Lügen und Halbwahrheiten.
Zelle 5 (Position 2225)
Die Grundidee finde ich sehr interessant. Sie regt zum Nachdenken an. Gerichte und Richter wurden abgeschafft. Stattdessen gibt es eine Fernseh-Show, in der die Zuschauer wie bei Deutschland sucht den Superstar oder Dancing Stars sieben Tage lang per Voting abstimmen, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht. Allerdings ist das System von Gerechtigkeit weit entfernt, so kann nicht jeder abstimmen, sondern nur die, die es sich auch leisten können. Die Zuschauer müssen dafür bezahlen, dass sie abstimmen dürfen. Erschreckend ist, dass keinerlei Beweise für das Verbrechen nötig sind. Das Geständnis von Martha reicht vollkommen. Der Fall wird ansonsten auch nicht näher untersucht.
Das Buch veranschaulicht sehr gut, wie die Menschen von den Medien manipuliert werden. Die Wahrheit ist für den Fernsehsender unwichtig. Wichtig ist nur, dass die Fernseh-Show eine Sensations-Meldung nach der anderen bringen kann und gute Quoten einfährt. Es interessiert dabei niemanden, ob die Angeklagten auch wirklich schuldig ist.

Wen stört es schon, ob jemand unschuldig ist oder nicht? Hauptsache, es ist unterhaltsam, stimmt's?
Martha (Position 762)

Macht ist die mächtigste Sache auf der Welt. Wer auch immer sie besitzt, kann tun und lassen, was er will.
Zelle 5 (Position 2269)
Der Klappentext und der deutsche Titel haben für mich schon etwas zu viel von der Geschichte verraten. Nachdem im Klappentext schon verraten wird, dass Martha vielleicht gar nicht schuldig ist und möglicherweise nur zeigen will, dass das System nicht fair ist, kann man als Leser schon davon ausgehen, dass es so kommen wird. Auch wenn man schon am Anfang des Buches liest, dass es eine Fortsetzung geben wird. Das fand ich schade. Ich hätte lieber mit Eve mitgerätselt, ob Martha schuldig ist oder nicht. Ohne dem Wissen wäre das Buch noch spannender gewesen. Ich finde auch den englischen Titel Cell 7 besser gewählt als Marthas Widerstand.
Das Buch ist damit teilweise vorhersehbar.


Kerry Drewery hat ihre Dystopie-Welt sehr realistisch und glaubwürdig gestaltet. Mich hat sie mit Marthas Geschichte überzeugt und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die 2018 erscheinen soll.
Mit der Wahrheit ist das so eine Sache - manchmal ist es nicht unbedingt das Beste, sie zu kennen oder sie auszusprechen.
Zelle 3 (Position 1331)


Fazit:

Spannende Dystopie mit Thriller-Elementen und großartiger Protagonistin! Leseempfehlung!


Ich gebe 5 von 5 Sternen.


Facebook-Seite der Autorin 


Weitere Rezensionen zu diesem Buch findest du bei:

Leseratz Blog

Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Buchrezension #131 Marthas Widerstand von Kerry Drewery

Kommentare

Beliebte Posts